Wie wir auf den Beardie kamen

Geplant war auf jeden Fall alles ganz anders!

Mann schrieb das Jahr 2000, als mein damaliger Freund und ich uns langsam ernsthaft mit dem Gedanken vertraut machten, dass ein Hund ins Haus muss. Gesagt getan, aber was für einer? Rüde oder Hündin? Jung oder schon älter? Fragen über Fragen mussten geklärt werden, nicht zuletzt musste auch noch der damalige Arbeitgeber meines Freundes zustimmen, dass der Hund "der da kommen sollte" mit ins Büro kann.

Die Vermieterin und der Arbeitgeber stimmten ohne Probleme zu und wir konnten uns nun ernsthaft über das "Wann" und vor allem das "Was" überhaupt Gedanken machen.

Lange Haare sollte er haben, keinen Kadavergehorsam oder Jagdtrieb besitzen, freundlich und leicht erziehbar sein. Teilweise dachten wir schon einer mit "Knopf im Ohr" würde es auch tun. Schlussendlich rückte mein Freund damit raus, dass er gerne einen Bobtail hätte. Wie Bobtail? Ich legte mein Veto ein, zu groß und zuuu haarig. Aber was sonst?

Vom Bearded Collie hatte ich in grauer Vorzeit zwar schon mal was gehört, aber in den Sinn kam er mir nicht. Freund Zufall spielte uns in die Karten, auf einem Abendspaziergang kam uns eine Frau mit Hund entgegen - der verbellte uns dann erst mal. Was für eine Stimme!!! Nie hätte ich von diesem doch noch so handlichen Hund eine solche Tiefe Bassstimme erwartet! Beeindruckt hat mich auch, dass der Hund zwar gebellt hat, aber keine Anstalten machte sich entweder zurückzuziehen oder nach vorne zu gehen, es war eher so ein "He Frauchen, pass auf, da kommen uns zwei Gestalten entgegen!"

Um mich war es geschehen, jetzt musste noch mein Freund überzeugt werden, also erst mal schauen was das Internet so her gibt und was für Bücher auf dem Markt sind. Im Internet wurde ich zuerst mal enttäuscht, von ängstlichen, wesensschwachen und dummen Hunden war die Rede, Fell bis zum Boden, unmöglich dem Herr zu werden! War unsere Begegnung die Ausnahme von der Regel, hatte ich die Situation falsch interpretiert? Das konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, war ich doch zumindest mit Nachbarshunden aufgewachsen die die verschiedensten Temperamente ihr eigen nannten und ich bildete mir ein dem Verhalten nach nicht sooo weit daneben zu liegen. Nun gut, was sagten die Bücher dazu? Der Großteil bestätigte mir meine gemachte Erfahrung, aber auch hier gab es Quellen die kaum ein gutes Haar am Beardie ließen.

Jetzt wolle ich mir selber ein Bild machen und suchte im Netz nach Züchtern in unserer Nähe. Gesucht gefunden könnte man sagen. Nicht all zuweit von uns in der Nähe von Darmstadt war die Züchterin Susanne Martin zu Hause, die unter dem Zuchtstättennamen "of Caledonian Tannach" züchtete. Kurzentschlossen griff ich zum Telefonhörer und verabredete einen Besuchstermin bei ihr. Als der Tag da war, war mein Freund zwar nicht 100% überzeugt, aber er ist hingefahren. Später hat er mir erzählt, dass in dem Augenblick als die "Meute" auf uns zu gerannt kam es um ihn geschehen war. Meute ist relativ, es waren 3 Hündinnen, Kascha die Mutter mit ihren, beinahe erwachsenen, Töchtern Luna und Sunny.

Es wurde ein sehr schöner entspannter Nachmittag mit schönen, lustigen, schmuse bedürftigen und schlauen Hunden. Als Fr. Martin uns dann noch sagte, dass wir von ihr einen Welpen haben könnten wenn wir bereit währen auf den nächsten Wurf, den ersten von Luna, zu warten war unser Glück perfekt. Wir haben uns noch an diesem Nachmittag für eine blaue oder schwarze Hündin angemeldet.

Von da an warteten wir ... und dann warteten wir ... und zu guter Letzt warteten wir noch etwas. Luna wollte einfach nicht läufig werden.

Wir liesen uns nicht entmutigen, schließlich musste der Hund ja nicht gleich jetzt her, wir hatten Zeit, dann war es endlich soweit, Luna wurde doch noch läufig, bei der nächsten Hitze sollte es soweit sein.

Wir warteten wieder ... und warteten und dann warteten wir noch ein bisschen ...

Zwischenzeitlich nahmen wir regelmäßig an den von Fr. Martin, die wir inzwischen Susanne nannten, organisierten Beardie-Spaziergängen teil. Ich glaube die Teilnehmer hatten inzwischen schon ein wenig Mitleid mit uns und so bekamen wir immer mal wieder eine Leine in die Hand gedrückt. Uns machte das nicht wirklich was aus, waren wir doch unter netten Menschen und tollen Hunden unterwegs.

Dann eines schönen Tages schritt das Schicksal ein! Eine Frau die aus Susannes letztem Wurf eine Hündin bekommen hatte kam plötzlich mit zwei Hündinnen an. Tikka war bei ihr abgegeben worden und sollte nun auf einen Pflegeplatz vermittelt werden. Wie üblich wurde uns die Leine in die Hand gedrückt. Ein Häufchen Elend war am anderen Ende, fast bis auf die Haut geschoren und nur noch 14kg schwer. Im Laufe des Nachmittags wurde uns ihre Geschichte (dazu mehr an anderer Stelle) erzählt. Eigentlich dachte ich, na ja, so ein Pflegeplatz, warum nicht. Da schritt dann aber mein Freund ein und meinte "entweder ganz oder gar nicht!" die Entscheidung sollte ich treffen. Herzlichen Dank auch!!! Tikka war den ganzen Nachmittag lang einfach nur lieb, zog nicht an der Leine, machte keinen Unsinn, war nicht ängstlich und schaute einen die ganze Zeit nur mit diesen großen, dunkelbraunen Augen an.

Ich war hin und hergerissen, eigentlich wolle ich nie einen Hund aus zweiter Hand, und eine braune Hündin sollte es auch nicht sein - aber diese Augen!

Nach langem Hin und Her, vielen Gesprächen mit allen Anwesenden war es soweit am 10. August 2002 zog Tikka bei uns ein und wurde erst mal in "Sirsha" umbenannt. Das kommt aus dem Gaelischen und bedeutet Freiheit und die sollte sie nun endlich bekommen.

Als Fußnote lässt sich noch hinzufügen, dass Luna am 12. August 2002, also nur 2 Tage nach Sirshas Einzug, läufig wurde und am 25. Oktober 2002 ihren ersten Wurf mit drei braunen Hündinnen und 3 schwarzen Rüden zur Welt brachte. Also hätte wir auch von ihr nicht die von uns ersehnte schwarze Hündin bekommen können. Ich glaube irgendwer hatte da gewaltig die Finger im Spiel.

Wir haben unsere Entscheidung nie bereut, Sirsha war in ihrem ganzen verbleibenden Leben einfach ein Schatz.

Inzwischen sind fast 10 Jahre vergangen, Sirsha und unser Rüde Barry haben uns leider viel zu früh verlassen, so dass jetzt die 2. Generation Beardies bei uns lebt. Aus meinem Freund ist mein Mann geworden und auch sonst hat sich einiges geändert, aber die Konstante in unserem Leben sind die Beardies geworden die wir um uns haben und hoffentlich immer haben werden.

 

  Unsere Sirsha am 10. August 2002   Genau 1 Jahr später